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Nächtliches Ringen und Tasten nach dem Weg

(Meditation von Pfrin. Beate Fritzsche bei der Taizé-Andacht am 23. September 2018 in Kloster Arnsburg)

Lesung: 1. Mose 32,23-32

Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok.

24 Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte.

25 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.

26 Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt.

27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

28 Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob.

29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.

30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst.

31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.

32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

 

 

Taizé-Gesang: Nada te turbe

 

 

Meditation

Nada te turbe? Nothing can trouble?

Nichts kann uns was anhaben? Nichts kann uns erschrecken?

Thouse who seek God, never can frighten.

Nichts kann die erschrecken, die Gott suchen!??

 

 

Der Urvater Jakob an der Furt des Flusses.

Am Übergang. An einem Lebensübergang:

Nächtliches Ringen. Lange. Hartnäckig.

Mit wem? Womit? Das bleibt im Dunkel.

Die Morgenröte bricht an.

Jakob – verletzt, gezeichnet - sagt: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!"

Und bekommt zur Anwort:

"Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen."

- und er segnete ihn.

 

 

"Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat."

- so der Wochenspruch für diese Woche (1.Joh.5,4)

Unser Glaube – der Sieg?

Sind wir Helden, Heldinnen des Glaubens?

Ihr? Ich?

Der Urvater Jakob?

Unser Glaube – der Sieg?

 

 

Glaube ist einfach, wenn es mir gut geht.

Wenn ich auf das schaue, was mir geschenkt ist, was mir gelungen ist, was mein Leben reich macht.

Wenn ich mich mit anderen verbunden weiß:

im Tun des Guten, in der Hilfe für andere, im Engagement für eine gute Sache… oder einfach in der Lebensfreude und im Feiern.

Dann kann ich voller Dankbarkeit sagen:

Du Gott bist die Quelle des Lebens. In deinem Licht sehe ich das Licht.

 

 

Aber dann:

Nachrichten! Bilder der Zerstörung: Wälder, die brennen, Bäume, die weichen sollen, Menschen, die sich auflehnen – anscheinend vergeblich!?

Bilder von verzweifelten Menschen in einem Kriegs- oder Katastrophengebiet.

Wissen um die Toten im Mittelmeer.

Um den Hass, der wächst mitten unter uns.

 

 

Nichts kann uns was anhaben? Nichts kann uns erschrecken?

Nichts kann die erschrecken, die Gott suchen!??

Und wenn ich persönlich von Verlust und Leid betroffen bin?

Wenn es mich trifft?

Was dann?

 

 

Am 20. März 1991 fällt der 4 jährige Sohn des Gitarristen und Liedermachers Eric Clapton aus dem 53. Stock einen New Yorker Hochhauses: ein tragischer Unfall. Eric Clapton muss aushalten, wovor wahrscheinlich fast alle Mütter und Väter dieser Welt am meisten Angst haben: den Tod des eigenen Kindes.

 

 

Er schreibt ein Lied,

bekannt unter dem Titel: "Tears in heaven"

und fragt: "Wenn ich dich träfe - dort im Himmel:

Würdest du mich kennen? Meine Hand nehmen?

Wäre es wie früher? Würdest du mir helfen, es auszuhalten?"

 

 

- Fliehen, sich in den Himmel träumen – das geht nur vorübergehend!

Clapton stellt fest:

"Ich muss stark sein.

Ich werde meinen Weg finden, des Nachts und am Tage.

Denn ich weiß, ich kann einfach nicht bleiben - hier im Himmel."

 

 

Nächtliches Ringen.

Gott, warum?

Gott, warum ich?

Warum mein Kind?

Warum die Welt, so wie sie ist?

Warum Krieg und Flucht und Vertreibung

und Katastrophen und Zerstörung -

Leid – so oft menschengemacht?

 

 

"Die Zeit kann dich runterziehen", singt Eric Clapton.

"Die Zeit kann dich in die Knie zwingen.

Die Zeit kann dein Herz brechen,

dich zum Flehen bringen,

um Hilfe flehen."

 

 

Glaube ist dann nicht leicht:

ist ein Tasten nach dem Weg – im Dunkeln.

Ein Ringen – Kämpfen - Nicht loslassen.

Mich halten an das, was andere erfahren haben:

 

 

"Finsternis ist nicht finster bei dir Gott."

"Ich bin sicher: Jenseits der Tür gibt es Frieden.

Und ich weiß, es wird keine Tränen mehr geben im Himmel"

singt Eric Clapton.

 

 

"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und Leid und Geschrei wird nicht mehr sein…in einem neuen Himmel und einer neuen Erde. - so der Seher Johannes in letzten Buch der Bibel.

 

 

Nächtliches Ringen.

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

Ich lasse nicht los, Gott.

Ich halte fest an dir.

Auch wenn du mir weh tust!

Ich halte mich fest an dir!

Halte du mich!

Segne mich!

 

 

Wenn, dann kann so Glaube zum Sieg werden.

 

 (Beate Fritzsche)


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